Ex-ÖSV-Trainer Kahr klagt „Süddeutsche Zeitung“

Der Anwalt des mit Missbrauchsvorwürfen konfrontierten früheren ÖSV-Trainers Karl Kahr hat Klagen gegen die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) eingebracht. Es gehe dabei um die Verletzung der Unschuldsvermutung, des Identitätsschutzes sowie der Privatsphäre, sagte Kahrs Anwalt Manfred Ainedter am Mittwochabend.

Die „SZ“ hatte vergangene Woche eine ehemalige Skirennläuferin zitiert, die berichtet hatte, im Winter 1968/69 in ihrer Zeit beim ÖSV vom damaligen Damen-Cheftrainer Kahr vergewaltigt worden zu sein. Eine weitere Rennläuferin gab an, sie habe im Winter 1976 einer Vergewaltigung durch Kahr gerade noch entkommen können. In beiden Fällen berief sich die Zeitung auf eidesstattliche Erklärungen (derstandard.at).

Daher sieht Kahrs Anwalt auch eine Verletzung der Privatsphäre bzw. des höchstpersönlichen Lebensbereichs. Sein Mandant sei längst „keine Person des öffentlichen Interesses“ mehr. „Charly“ Kahr ist 85 Jahre alt. Der Steirer, fast zehn Jahre lang auch Chefcoach der ÖSV-Herren, ist seit 1985 nicht mehr als Trainer im Rennsport aktiv.

Die medienrechtlichen Entschädigungsanträge, die er gegen die „SZ“ gestellt habe, betreffen laut Ainedter die Paragrafen 6, 7 und 7a Mediengesetz. Sie seien beim Landesgericht für Strafsachen in Wien eingereicht worden.

§§ 6, 7 und 7a MedienG entsprechen nicht der Verletzung der Unschuldsvermutung, des Identitätsschutzes und der Privatsphäre. Der Schutz der Unschuldsvermutung ist in § 7b MedienG geregelt, während § 6 MedienG den Schutz vor übler Nachrede, Beschimpfung, Verspottung und Verleumdung regelt.

Eine Verletzung der Unschuldsvermutung lässt sich dem SZ Artikel allerdings nicht entnehmen, da Herr Kahr dort nicht als überführt oder schuldig dargestellt wird.

Da auch eine Entschädigung nach § 7 MedienG beantragt wurde, steht der SZ außerdem der Wahrheitsbeweis gemäß § 7 Abs 2 Z 2 MedienG offen. Wir warten also gespannt auf die Aussagen der ehemaligen Rennläuferinnen, die jetzt Vorwürfe gegen Herrn Kahr erhoben haben.