Die undurchschaubare Prozessstrategie


Vorgestern war es wieder einmal soweit; der Prozessgegner (Der Gasthauspächter und die Pacht) ließ sich nicht in die Karten schauen. Mit eiskaltem Pokerface sass er mir gegenüber und wartete auf meine Reaktion. Die dann lautete: „Sicher nicht.“

Dieser Szene aus einem schlechten Western voraus gegangen war der Versuch, das Verfahren dadurch zu beenden, dass der Gegner EUR 2.500,– bezahlt. Man war sich eigentlich schon einig.

Nach Wochen intensiven Überlegens kam er aber zum Schluss: nein, das möchte er eigentlich nicht, aber EUR 500,– würde er schon anbieten. Mein „Sicher nicht“ war übrigens die Antwort darauf, ob ich mit den EUR 500,– einverstanden bin.

Ich schaue mir mein Blatt noch einmal genauer an und sage: „Aber nachdem Sie keine EUR 2.500,– bezahlen wollen, hätten wir jetzt statt EUR 2.880,– lieber die ganze noch offene Pacht, also EUR 4.320,–“ Das Pokerface reagiert überrascht, sein Anwalt beugt sich zu ihm rüber, flüstert ihm etwas ins Ohr und sagt: „Ich muss das mit meinem Klienten kurz draußen besprechen“.

Die Tür zum Verhandlungssaal geht wieder auf, der Gegner – gar nicht mehr Pokerface – setzt sich wieder hin. „Mein Klient wäre bereit, EUR 3.500,– zu bezahlen, in Raten.“

Und so wurde die Sache dann auch beendet. Ich meine, ich kann verstehen, dass man mich bei Gericht in Aktion sehen will, aber deswegen extra nochmal EUR 1.000,– hinlegen? Das nenne ich eine wahrlich undurchschaubare Prozessstrategie.